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Eine Ausstellung aus Anlass des 60. Jahrestages
des Endes des 2. Weltkriegs, ein
Gemeinschaftsprojekt der Initiative KZ-Aussenlager
Lichterfelde und des Heimatvereins Steglitz.
22. Mai 2005 bis 22. Juni 2005
Steglitz zählte zur Hochburg der NSDAP-Wähler
in Berlin. Im Juli 1932 wählten 42,1% der
Steglitzer für die NSDAP. Zum Vergleich: in Berlin
waren es durchschnittlich 28,6%. Andererseits lebten
bedeutende Persönlichkeiten der Opposition und des
Widerstandes in Steglitz. Entscheidende Ereignisse
des Kirchenkampfes fanden im Berliner Südwesten
statt.
Mit dem KZ-Aussenlager in Lichterfelde im
Blickpunkt zeigt die Ausstellung den Alltag der
Menschen in Steglitz unter dem Eindruck der
NS-Propaganda, die in Steglitz ansässigen
Institutionen, Strukturen und Personen des
NS-Repressionssystems, wie auch die Spuren des
Widerstandes in Kirche und Gesellschaft. Eingegangen
wird auf das Lichterfelder Aussenlager im System der
NS-Konzentrationslager sowie auf Strukturen und
Personalien bei Tätern und Opfern. Über Arbeit,
Kampf und Leiden der Häftlinge -: "Arbeit
macht frei?" - berichtet die Ausstellung ebenso
wie unter dem Stichwort "Aufklärung und
Vermächtnis" über die Arbeit des Vereins
"KZ-Lichterfelde".
| Nationalsozialistischer
Machtanspruch in der Symbolik der Malerei
Zentralfigur des Bildes, mit
der auffallenden Verknüpfung christlicher und
antiker Elemente mit dem Hakenkreuz, ist der
Erzengel Michael, übrigens Schutzpatron der
Lichterfelder Kadettenanstalt. Er steht mit
Rüstung und Schwert auf dem Haupt des
Ungeheuers Medusa aus der antiken Mythologie,
bei deren Anblick Menschen vor Schreck zu
Stein erstarren. Aus dem Heiligenschein des
Engels ragt das Hakenkreuz hervor.
Die Deutung des Werkes
mittels der traditionellen Symbolstruktur
christlicher Bilddarstellungen - das
Göttliche und Erhabene ist immer oben, das
Böse und Niedrige unten - eröffnet die
Sichtweise des Nationalsozialismus für die
Rangordnung.
Die archaische
Schreckensfratze der Medusa, Symbol für die
Antike, befindet sich als geringwertiges
Element ganz unten im Bild. Über ihr steht in
Form des Erzengels die christliche
Zivilisation, geschichtswidrig dargestellt,
als Bezwingerin des archaischen Schreckens.
Über allem an oberster Stelle - in der
Tradition der christlichen Kunst ist dieser
Platz der Darstellung Gottes vorbehalten -
thront das Hakenkreuz als Ausdruck eines
quasireligiös begründeten Machtanspruchs der
NS-Ideologie.
Dem eher volkstümlichen
Steglitzer Künstler Fritz Bersch, dem Maler
dieses Bildes, war dieses kitschige Pathos
eigentlich fremd. Auch für Sympathien zum
NS-Regime gibt es in seinem Lebenslauf keine
Hinweise. Vermutlich handelt es sich bei dem
Bild um eine Auftragsarbeit. |
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Die Ausstellung wird von einem
Veranstaltungsprogramm begleitet. Lesungen, eine
Filmvorführung und Diskussionen ergänzen die
Ausstellung im Heimatverein.
Fotos von der Ausstellungseröffnung finden Sie hier.
Einen Bericht zur Ausstellung in der Gemeindezeitung
der Gemeinde Petrus-Giesensdorf "Der
Schlüssel" finden Sie hier
(pdf, 700 KB)
Veranstaltungsreihe „Steglitz vor sechs
Jahrzehnten“:
Freitag,
6. Mai 2005
Schweres Gepäck - Flucht und Vertreibung als
Lebensthema
Lesung und anschließendes Gespräch mit Dr.
phil. Helga Hirsch (Autorin des Buches
"Schweres Gepäck")
Flucht und Vertreibung hinterlassen Spuren.
Fünfzig, sechzig Jahre nach Kriegsende suchen
Kinder von Vertriebenen nach Antworten: Wie haben
das Erzählen oder das Schweigen von Eltern und
Großeltern meine Biografie beeinflusst? Welche
dramatischen Ereignisse kann ich selbst erinnern?
Wie prägt mich die Entwurzelung der Familie bis
heute?
Helga Hirsch hat sechs Menschen der zweiten
Generation auf der Suche nach den biografischen
Wurzeln und Belastungen durch Heimatverlust
beschrieben. Ihre Texte dokumentieren, dass
Erinnerung an deutsches Leid keineswegs
Relativierung deutscher Schuld nach sich ziehen
muss. Stoßen die Familien von Vertriebenen in ihrer
schlesischen oder ost- und westpreußischen Heimat
doch auf Menschen, die erst Opfer deutscher
Besatzungspolitik und später sowjetischer
Umsiedlungspolitik wurden.
Ergänzend zu den Biografien analysiert Helga Hirsch
in einem Essay den Wandel des kollektiven
Gedächtnisses seit Kriegsende, die Erfolge und
Misserfolge der Integration in wirtschaftlicher
Hinsicht und die oftmals erst heute bewusst
werdenden Spuren in der Seele.
Helga Hirsch möchte mit den Gästen der Lesung ins
Gespräch kommen und lädt nach ihrer Lesung zur
Diskussion ein.
Zeit: 18.00 Uhr, Eintritt: 2,50 Euro, Ort: Steglitz
Museum
Mittwoch,
11. Mai 2005
Filmvorführung
„DIE SPRACHE LÜGT NICHT“
Dokumentarfilm, Frankreich 2004, von: Stan Neurnann,
Erstausstrahlung bei ARTE
Von 1933 bis 1945 führte der deutsche
Schriftsteller Victor Klemperer ein ungewöhnliches
Tagebuch. Gegenstand war die Sprache des Dritten
Reiches, "Lingua Tertii Imperii" nannte er
sie. Leidenschaftlich notierte er jede neue
Redewendung, die ihm begegnete, von den
Stammtisch-Witzen bis zu den Anleihen aus dem
Technik-Jargon, Boxsport und Werbung. Vornehmliches
Ziel Klemperers war es, Zeugnis abzulegen von der
Vergiftung der deutschen Sprache durch die Nazis.
Zeit: 18.00 Uhr, Eintritt frei, Ort: Steglitz-Museum
Freitag, 20 Mai 2005
Ausstellungseröffnung
Das Grußwort spricht der ehem. Bürgermeister von
Berlin Klaus Schütz (angefragt).
Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Wolfgang
Wippermann (Professor für Geschichte an der FU
Berlin).
Zeit: 19.00 Uhr, Ort: Steglitz-Museum, Drakestraße
64A
Montag, 23. Mai 2005
Das KZ-Außenlager Lichterfelde
Vortrag vom Jacob Kort

Als im Sommer 1942 die ersten Häftlinge des
Konzentrationslagers Sachsenhausen in einem von
KZ-Häftlingen errichteten Lager in der Wismarer
Straße eintrafen, begann die knapp dreijährige
Geschichte des KZ-Außenlagers Lichterfelde.
Zeitweilig hatte die SS hier mehr als 1500
Häftlinge untergebracht, welche zu Arbeiten in der
gesamten Reichshauptstadt herangezogen wurden. Wie
im SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt in
Berlin-Lichterfelde musste die Mehrzahl der
Häftlinge in den verschiedenen Institutionen der SS
Instandsetzungs-, Renovierungs- und Aufräumarbeiten
verrichten. Aber auch in den Lebensmittel- und
Sanitätslagern der SS, beim Bau von Bunkern und
Baracken, zu privaten Zwecken einzelner SS-Größen,
in der Parteikanzlei der NSDAP, sowie in einigen
Ministerien bediente sich die SS in ganz Berlin der
Arbeitskraft der Häftlinge von Lichterfelde.
In seinem Vortrag wird Jakob Kort, Student der
Geschichte an der TU-Berlin, dem Einsatz der
Häftlinge in den zahlreichen Außenkommandos von
Lichterfelde nachgehen. Anhand von Aussagen
überlebender Häftlinge soll dabei auch der Frage
nachgegangen werden, wie die Bevölkerung Berlins
auf die Häftlinge reagierte, als diese auf den
täglichen Transporten zu den Außenkommandos sowie
während ihres Arbeitseinsatzes im Stadtbild Berlins
allgegenwärtig wurden.
Zeit: 19.00 Uhr, Ort: Steglitz-Museum, Drakestraße
64A
Um 18.00 Uhr führt Sie Herr Dr. Thiede vorab durch
die Ausstellung
Weitere Informationen zum KZ-Außenlager:
Zeitung
der Petrus-Giesensdorfgemeinde "Der
Schlüssel"
www.steglitz.de
Sonntag, 29. Mai 2005
Von Dahlem nach Steglitz - auf den Spuren der
verdrängten NS-Geschichte
Rundgang mit Prof. Dr. Wolfgang Wippermann

Von Dahlem nach Steglitz ist es ein kurzer Weg. Er
führt jedoch zu verschiedenen steinernen Zeugen der
verdrängten NS-Vergangenheit: Von den Stätten der
nationalsozialistischen Atom-, Rassen- und
"Zigeunerforschung" in Dahlem zum
"Wirtschaftsverwaltungshauptamt" und dem
Zentrum des bürgerlichen Widerstandes in der
Hortensienstraße in Steglitz. Wir wollen dieser
Geschichte im wörtlichen und übertragenen Sinne
nachgehen und versuchen, die Steine zum Reden zu
bringen. Sie haben uns viel zu erzählen.
Zeit: 10.30 Uhr, Treffpunkt Thielplatz (Ostseite,
Imbissstand)
Ende: ca. 13.00 Uhr am S-Bahnhof Botanischer Garten
Mittwoch, 1. Juni 2005
Schule unterm Hakenkreuz. Zwei Steglitzer
Mädchengymnasien im 'Dritten Reich'

Lesung und anschließendes Gespräch mit Marianne
Büning (Autorin des Buches "Werte im Wandel -
Gesichter eines Berliner Gymnasiums:
Fichteberg-Oberschule 1904-2004)
60 Jahre nach Kriegsende sind die Vorstellungen
davon, wie Schule unter der nationalsozialistischen
Herrschaft aussah, nur noch sehr vage. Verteufelung
oder Verharmlosung bestimmen häufig die Sichtweise.
Dass weder 1933 noch 1945 eine 'Stunde Null'
darstellten, wird dabei oft übersehen. Ein Blick in
die - durch umfangreiches Quellenmaterial belegte -
Schulwirklichkeit zweier Steglitzer
Mädchenoberschulen im 'Dritten Reich' soll einen
Beitrag dazu leisten, diese Zeit besser zu
verstehen. Nach der Lesung steht Marianne Büning
für ein Gespräch mit den Gästen zur Verfügung.
Zeit: 18.00 Uhr, Eintritt: frei, Ort: Steglitz
Museum
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Ausstellungsankündigung
„Schloßstraße im Wandel“

Neben vielen
kleineren Projekten soll das Thema "Die
Steglitzer Schloßstraße" (Arbeitstitel) den
Schwerpunkt der weiteren Konzeption für das Jahr
2005 darstellen. Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunftsaussichten dieser bedeutenden Berliner
Einkaufsstraße sollen im Rahmen einer Ausstellung
und in Veranstaltungen und Publikationen beleuchtet
werden.
Wer Interesse daran hat an der Konzeption der
Ausstellung oder an sonstigen Projekten des
Heimatvereins zum Thema Schloßstraße mitzuwirken
oder wer über historisches Material zu diesem Thema
verfügt, melde sich bitte bei beim Leiter des
Steglitz-Museum, Herrn Marcus Prost, Tel.: 833 21 09. |