Vom 13. August bis 26. September 2004 zeigt das
Steglitz-Museum "Arbeiten auf Papier" der
Lankwitzer Malerin Dietlind Paul.
Köpfe:
Nicht der Maler wählt sein Thema - das Thema
sucht sich seinen Maler. Mein Arbeitsleben ist in
Perioden verlaufen. Unterschiedliche Bildthemen
haben mich zu ihrem Autor gewählt. Jedes Thema trug
mich durch ein bis zwei Jahrzehnte. Und wenn es mich
nicht mehr tragen wollte, habe ich mich Neuem
zugewandt. Das neue Thema stand dann immer schon vor
der Tür.
Das Thema "Kopf" klopfte etwa 1990 bei
mir an. Und zwar tatsächlich "Kopf",
nicht "Mensch" oder "Portrait".
Ich verstand damals mein neues Thema als
Herausforderung zu formalem Tun mit der Kopfform.
Mein willentlich verfolgtes Ziel war - und ist -
herauszufinden, was man mit dem Kopf alles anfangen
kann: ihn anknabbern, beschädigen, verschleiern,
auslöschen, hervorlocken, andeuten, umreißen. Es
ist ein formales Ziel.
Häufig geraten mir meine Köpfe jedoch nicht
dahin, wohin der Wille sie haben will. Steht mein
Naturell dem entgegen? Liegen Wille und Neigung im
Streit miteinander?
Ich habe immer Freude daran gehabt, Menschen von
sich selbst erzählen zu hören. Freunde. Oder
zufällig begegnende Fremde. Ich war ein Schicksals-
und Spurensammler. Das Gehörte sank in den Fundus
hinab. Ich vergaß die Details der Erzählung und
bewahrte die Stimmung des Erzählers. Jetzt drängt
der Inhalt aus dem Fundus ans Licht des Tages. Meine
Köpfe gewinnen eine zweite Dimension, die ich nicht
beabsichtigt habe. Gewiss wollen manche zur Form
werden, zu nichts als Form. Andere aber wollen
Geschichten erzählen. Sie erzählen von Seelen- und
Bewusstseinszuständen, zeichnen Lebensspuren auf.
Wille und Neigung liegen in einem fruchtbaren
Streit. Der Wille ist ein aufmerksamer Beobachter,
die Neigung ein teilnehmender Zuschauer. Beiden
schulde ich Dank; denn sie führen mich zweigleisig.
Und jedes Gleis mehr ist eine Bereicherung.
Text und Bilder: Dietlind Paul
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