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11.
Dezember 2005 bis 29. März 2006 -
Verlängert bis 30.4.2006!!
Ein Schaufenster des Westens
Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und die Öffnung der Grenze brachten für die Schloßstraße große Veränderungen. War sie bis dahin für die
Bewohner des Berliner Südwestens ihre Einkaufsstraße, zog sie jetzt wie ein Magnet die Menschen aus dem
angrenzenden Umland an: sie kamen in großen Scharen, staunten und waren überwältigt von dem
Warenangebot der Geschäfte. Galt West-Berlin seit Beginn des
Kalten Krieges als "Schaufenster des Westens", hatten jetzt die Häuser von Karstadt und Wertheim, von Leiser, Peek & Cloppenburg und C&A ihre Anziehungskraft unter Beweis gestellt. Hier in Steglitz, zwischen Walther-Schreiber- und Hermann-Ehlers-Platz erlebten kleine und große Geschäfte einen unglaublichen Ansturm auf ihr Warenangebot und lieferten den Beweis für die Leistungsfähigkeit der freiheitlichen, markt- und verbraucherorientierten
Wirtschaftsordnung.

Bald war aus dem Bezirk Potsdam und anderen Bezirken wieder das Land Brandenburg geworden. Mit der neu
gewonnenen Freiheit blieb die Schloßstraße aber auch im
wiedervereinigten Deutschland für viel Menschen aus
Potsdam, Teltow, Großbeeren oder Ludwigsfelde ein viele
besuchtes Ziel für die größeren Einkäufe.
Schon lange wurde an diesem Abschnitt der preußischen Chaussee, die Berlin mit Potsdam verband, eingekauft. Wirkliche Bedeutung erlangte die Schloßstraße aber erst nach dem Ende des Krieges. Geschäfte aus dem zerstörten Zentrum Berlins ließen sich hier nieder. Bekleidung, Schuhe, Lebensmittel waren die gefragten Branchen. Die Schloßstraße übernahm die Rolle der Leipziger Straße aus der
Vorkriegszeit. Neben der Wilmersdorfer Straße in
Charlottenburg oder der Altstadt Spandaus entwickelte sie sich zu einer der beliebtesten Einkaufsstraßen West-Berlins. Der
legendäre Kurfürstendamm mit dem angrenzenden
Tauentzien war natürlich eine Klasse für sich, gleich danach jedoch war die Schloßstraße die zweitwichtigste Einkaufsmeile
Berlins.
Die Schloßstraße als Ausweichquartier
Die symbolträchtigen Bauten in Berlins Mitte waren zerstört oder aufgrund des Kalten Krieges unerreichbar. Der Titaniapalast als einer der größten Säle der Stadt war nahezu unbeschädigt geblieben. So wurde er und mit ihm die Schloßstraße Schauplatz für so manches Ereignis, das später Eingang in die Geschichtsbücher fand:

- Im Titaniapalast gaben die Philharmoniker unter
Leitung von Leo Borchard wenige Wochen nach
Kriegsende ihr erstes Konzert,
- Hier fand 1948 die Gründungsfeier der Freien
Universität statt.
- Bei seiner Rede anlässlich seines ersten
Berlinbesuchs schlug Bundeskanzler Konrad Adenauer das Deutschlandlied als Nationalhymne vor.
- Theodor Heuß wurde hier mit überwältigender Mehrheit für seine zweite Amtszeit als Bundespräsident gewählt.
- Marlene Dietrich gab ein legendäres Konzert, während draußen an der Schloßstraße gegen sie
demonstriert wurde.
- Als Präsident John F. Kennedy während seines
Berlinbesuchs im Sommer 1963 durch die Schloßstraße fuhr, jubelten ihm Zehntausende Berliner zu.

Auch der Verkehr hat sich gewandelt
Trotz Stadtautobahn, Westtangente und U-Bahn ist die Verkehrsbelastung der Schloßstraße größer geworden, und Staus gehören zum alltäglichen Straßenbild, wie auch die Baustellen. Die Schloßstraße lebt, und sie verändert sich: neue Einkaufzentren entstehen, die
Zukunft des "Kreisel" steht auf dem Spiel, die
Verkehrsplaner suchen neue Lösungen.
Zu dieser Ausstellung
- Sie zeigt die Rolle der Schloßstraße im preußischen Straßensystem und ihre Entwicklung als Verkehrsweg, gewissermaßen von der Pferdedroschke zur U-Bahn.
- Im kulturellen Zentrum des Bezirks stehen Schloßparktheater, Wrangelschlösschen und die Schwartzsche
Villa. Am anderen Ende, am Walther-Schreiber-Platz wurden im Titania-Palast wichtige Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte geschrieben.
- Der Steglitzer Kreisel als technische "Spitzenleistung" seiner Zeit steht vor seiner Bewährungsprobe:
Asbestsanierung oder Abriss.
- Das Rathaus Steglitz, markantes Bespiel der
Backsteinarchitektur, ist ein Kapitel Baugeschichte aber auch
Ausgangspunkt der Wandervogelbewegung. Auf dem
Hermann-Ehlers-Platz gegenüber symbolisiert die
Spiegelwand ein folgenschweres Kapitel unserer eigenen
Geschichte.

Der Wandel in der Welt der Geschäfte und Kaufhäuser an der Schloßstraße und in ihren Nebenstraßen berührt nicht nur die Menschen, die dort einkaufen, sondern auch jene, die dort arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen.
Die Schloßstraße lebt. Sie ist ein lebendiges Stück Berlin. Unfertig, überlastet, etwas provinziell, etwas weltstädtisch, ....wie gesagt: ein Stück Berlin.
Öffnungszeiten: Montag 16 bis 19 Uhr, Mittwoch
15 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr
Zur
Fotogalerie
Die
Schloßstraße - Wandel im Zeitraffer - Bericht in
der Berliner Morgenpost vom 9.12.2005 |