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Zinnfiguren waren im 19. Jahrhundert ein weit verbreitetes Spielzeug, insbesondere für Kinder begüterter
Eltern. Sie stellten die ganze Bandbreite des militärischen und zivilen Lebens dar, wobei sich bei den Jungen die Zinnsoldaten sicher größerer Beliebtheit erfreuten.
Daher stammt vermutlich auch das Vorurteil, wonach ihre Sammler grundsätzlich militaristisch eingestellt
seien. Heutzutage gilt das ganz sicher nicht mehr, zumal die kleinen Kunstwerke nahezu alle Bereiche der politischen, sozialen und kulturellen Geschichte veranschaulichen und auch Volks-, Kostüm- und Trachtenkunde und die damit verbundenen Bräuche darstellen. Als Spielzeug dienen die Zinnfiguren kaum noch, sie sind fast ausschließlich Sammelobjekte geworden.
Die Zinnfiguren: die Geschichte ihrer Entstehung
Das älteste bisher gefundene Stück stammt aus dem 13. Jh. Im Jahre 1578 erlaubte der Rat der Stadt Nürnberg den Zinngießern das Herstellen von "Kindswerk", womit der Siegeszug der beliebten Figuren als Spielzeug begann.
Als das Porzellan das Zinngeschirr allmählich verdrängte, suchten die Zinngießer nach neuen Aufgaben und fanden sie in der Spielzeugproduktion. Im 19. Jh. begann die
industrielle Herstellung, und Zinnfiguren wurden von da an in großen Mengen auf Jahr- und Weihnachtsmärkten angeboten. Erst im 20.Jh. wurden sie zu Sammelobjekten, und es entstanden Sammlervereine in der ganzen Welt.
Herstellen und Sammeln von Zinnfiguren - ein anspruchsvolles Hobby
Das Sammeln von Zinnfiguren ist ein Hobby, das geschichtliche Kenntnis, erhebliches handwerkliches Geschick und künstlerisches Verständnis beim Bemalen der Figuren erfordert. Ein echter Sammler stellt seine Figuren selbst her. Dazu verwendet er eine spezielle Legierung aus Zinn, Blei und einem geeigneten Zuschlagmetall. Gegossen wird das
Ganze in Hohlformen als Flachrelief oder als Vollfigur. Ihre Größe kann variieren, jedoch haben sich gewisse Normgrößen herausgebildet, nicht zuletzt um die Kombinierbarkeit zu
gewährleisten. Großfiguren werden auch als Vitrinenfiguren bezeichnet. Das anschließende Bemalen mit Künstlerölfarben erfordert viel Kreativität und eine hohe Fertigkeit. Bei historischen Figuren ist es besonders wichtig, eine große Authentizität zu erreichen.
Die fertigen Figuren werden sodann zu Schaubildern zusammengestellt, den sog. Dioramen, die mit einem entsprechenden Hintergrund eine Szene
anschaulich vermitteln sollen. Dioramen werden in
allen Größen angefertigt - für die Präsentation einiger weniger bis zu mehreren hundert Figuren. Von vielen Sammlern in Eigenarbeit hergestellt, sind sie ein weiterer Beweis für deren Ideenreichtum und handwerkliche Fähigkeiten.
Die Geschichte des Zinnfiguren-Sammelns
Gesammelt werden Zinnfiguren bereits so lange, wie es sie gibt. Anlässlich der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 veranstalteten Sammler aus Freiberg, Kiel, Nürnberg und Berlin erstmals eine öffentliche Ausstellung. Daraufhin bildeten sich in vielen Orten
Zinnfiguren-Sammlergruppen, und bereits im Oktober 1925 wurde in Leipzig der "Deutsche Zinnfigurensammlerbund" gegründet. Als Namenspatronin wählte man Klio, die Muse der
Geschichtsschreibung aus der griechischen Mythologie. Sie wird üblicherweise mit einer Schriftrolle unter dem Arm und einem Griffel in der Hand dargestellt.
Die heutige "KLIO - Deutsche Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren e. V." hat bedeutende Impulse aus dem Berliner Landesverband erhalten. Bis weit in den 2. Weltkrieg hinein gab es ein reges Vereinsleben mit zahlreichen eigenen
Ausstellungen. Auch für das Zinnfigurenmuseum auf der
Plassenburg in Kulmbach wurden laufend Leihgaben zur
Verfügung gestellt.
Nach dem Ende des Krieges gab es die Vereinigung nicht mehr. Doch schon bald trafen sich wieder einige Berliner Sammler, und im Januar 1951 wurde der
Verein der "Freunde der Zinnfigur" neu gegründet. Auch im Ostteil der Stadt und in der Umgebung hatten sich nach dem Kriege Sammlerfreunde zusammengefunden, und trotz Mauer und Stacheldraht gab es lose Kontakte auf privater Basis. Nach dem Wegfall der Grenze wurde die Zusammenarbeit intensiviert, und im Januar 1991 vollzog sich auch die Wiedervereinigung der Berliner Zinnfigurensammler.
Über diese Ausstellung
Diese Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Steglitz Museums und des Vereins "Klio - Freunde der Zinnfigur - Berlin". Sie zeigt einen Querschnitt durch die Vielfältigkeit moderner Zinnfiguren. In einer
Vielzahl von Schaubildern, den Dioramen, werden mit
Zinnfiguren und anderen dekorativen Elementen Szenen aus unterschiedlichen Abschnitten und Bereichen der
Geschichte zu Bräuchen und Zeremoniellen dargestellt. Zu sehen sind u.a. ein "Zug sächsischer Winzer aus dem
Jahre 1840", eine "traditionelle Bierprobe" sowie auch der "Trauerzug für Kaiser Wilhelm I".
Gezeigt werden alle Aktivitäten, die mit dem Sammeln von Zinnfiguren zusammenhängen. Es ist ein durchaus
anspruchsvolles wie auch kreatives Hobby. Das gilt sowohl für das geforderte historische Wissen als auch für die Farbgebung und das Bemalen der Figuren sowie die
Inszenierung, nicht zuletzt aber auch bei Herstellung,
Gestaltung und Ausstattung der Dioramen.
Im Verlauf der Ausstellung können die Besucher auch
sehen und erleben, wie Zinnfiguren bemalt werden. Vielleicht hat der eine oder andere nach dem Betrachten der Ausstellung selbst Interesse, sich diesem vielseitigen Hobby zuzuwenden.
Informationsfaltblatt [160 kb] zum Downloaden
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